Über den Sachkundenachweis des ZDRK geprüfter Züchter.
Über den Sachkundenachweis des ZDRK geprüfter Züchter.

Kaninchen und ihre Partner...

Kaninchen sind ausgesprochen gesellige Tiere und benötigen einen Partner zum kuscheln, putzen und toben. Die Haltung von einem Kaninchen allein grenzt an Tierquälerei. Auch die Vergesellschaftung mit einem Meerscheinchen ist inakzeptabel - durch die völlig unterschiedliche Körper- und Lautsprache, ist das Kaninchen in permanenter Alarmbereitschaft und steht unter Stress.

Werden mehrere Kaninchen zusammen gehalten oder ist bereits ein Kaninchen im Haus und man sucht nach einem passenden Partner, gibt es einige Dinge zu beachten...

Wichtig ist vor allem das Alter. Man sollte keine erwachsenen Kaninchen mit Babys vergesellschaften - das geht fast immer schief, da ein Baby nicht auf die Rangordnungsrangeleien reagieren und von einem ausgewachsenen Tier sehr schwer verletzt werden kann. Ein ausgewachsenes 1 jähriges Häschen kann sich jedoch sehr gut mit einem 4 jährigen Häschen verstehen. Oft bringt ein junges Tier "etwas Leben in die Bude" und der ältere Zwerg wird gefordert und blüht noch einmal auf... :o)

Ideal sind eine Häsin und ein kastrierter Rammler. Sehr gut zusammen passen auch zwei früh kastrierte Rammler. Hier besteht der "Vorteil", dass sie meist besonders zahm und nicht heiß und somit evtl. zickig und launisch werden... ;o) Auch eine Gruppe von zwei früh kastrierten Rammlern und einer Häsin funktioniert in der Regel sehr gut. Zwei Häsinnen KANN unter Umständen gut gehen - es kann jedoch auch zu Unstimmigkeiten oder auch Beißereien während der Hitze kommen. Desto größer der Stall ist, desto besser können sich die Damen während dieser Zeit aus dem Weg gehen und Beißereien können vermieden werden. Eine Garantie, dass sich zwei Damen dauerhaft verstehen, gibt es jedoch nicht. Zwei Rammler, die nach Eintritt der Geschlechtsreife kastriert wurden, können nahezu unmöglich miteinander vergesellschaftet werden. Trifft ein geschlechtsreifer Rammler auf einen anderen Rammler, werden in der Regel die Fetzen fliegen - egal ob der zweite kastriert ist und ob es sich um junge oder ältere Tiere handelt.  

Bildquelle: www.Kaninchenwiese.de

Geschlechtsbestimmung...

Ab einem Alter von 10 bis 14 Tagen lässt sich das Geschlecht schon sicher bestimmen. Desto älter das Tier ist, desto eindeutiger kann man Häsin und Rammler unterscheiden.

Bild 1: Legen Sie das Kaninchen auf den Rücken, so das es sicher im Arm liegt. Ziehen Sie mit dem Finger das Fell bzw. die Haut kurz über dem Geschlecht leicht nach oben Richtung Kopf.

Bild 2: Bei einer Häsin ist ein länglicher Schlitz zu erkennen. Dieser beginnt direkt über dem After. Nach oben hin stülpt sich dieser etwas hoch. Von der Seite ist eine "Schräge" zu erkennen.

Bild 3 + 4: Bei einem Rammler beginnt einige Millimeter über dem After ein kleines "Türmchen". Bei leichtem Druck schiebt sich aus diesem der Penis heraus. Ab einem Alter von 3,5 bis 4 Monaten sind außerdem die Hoden deutlich zu erkennen. 

Vergesellschaftung von Kaninchen...

Haben Sie zwei Babys, die erst 2 oder 3 Monate alt sind, so können Sie diese sofort zusammen in den Stall setzten. Bei so jungen Tieren wird in den aller seltensten Fällen eine Rangordnung ausgefochten oder ein Territorium beansprucht.

Bei erwachsenen Tieren gestaltet sich die Zusammenführung etwas schwieriger. Eine erfolgreiche Vergesellschaftung kann durchaus ein paar Stunden dauern. Bitte nehmen Sie sich unbedingt dieses Zeit. Die Kaninchen dürfen nicht einfach nach ein paar Stunden getrennt und später erneut zusammen gesetzt werden! Die Vergesellschaftung muss unbedingt zum Abschluss gebracht werden!

Im Vorfeld können Sie die Kaninchen etwas verunsichern, indem Sie mit ihnen in getrennten Boxen eine Runde Auto fahren... ;o) Die günstigste Zeit für eine Vergesellschaftung ist mittags, da die Tiere dann weniger aktiv sind.

Jedes Häschen bzw. jede Hasengruppe hat seinen Stall, also sein eigenes Revier. Jedes Kaninchen verteidigt dieses unterschiedlich, wenn plötzlich ein fremder Artgenosse in sein Territorium eindringt. Manch eines beäugt den Neuankömmling neugierig, andere attackieren ihn todesmutig und wollen ihn vertreiben. Um den "alten" und den neuen "Bewohner" aneinander zu gewöhnen, sind jetzt folgende Schritte notwendig: 

Setzen Sie beide Tiere auf neutralem und ungefährlichen Boden zusammen. Nehmen Sie z.B. das Gästezimmer, wo das bisherige Kaninchen noch nicht war und entfernen Sie eventuelle Verletzungsquellen. Verteilen Sie ein paar Unterstände, Röhren oder umgestürzte Kartons. Stellen Sie keine Häuschen auf! Diese können für ein flüchtendes Tier zur Falle werden, wenn nur ein Ausgang vorhanden ist! Sorgen Sie dafür, dass sich kein Tier komplett "verstecken" und so der Vergesellschaftung entziehen kann.

Setzen Sie nun beide Tiere in den Raum bzw. Freilauf. Es ist für beide Kaninchen ein neuer Bereich und keines der Tiere zeigt Territorialverhalten. Sie werden mehr oder weniger neugierig die Gegend erforschen und ziemlich schnell auf das fremde Kaninchen treffen. Je nach dem welches Tier dominant ist, wird dieses dem anderen durch "aufreiten" zeigen wollen, wer der Boss ist. Es wird das unterlegene Tier jagen, angrunzen und es wird auch ordentlich Fell fliegen. Viele Kaninchen markieren jetzt auch reichlich. Das ist vollkommen normal und kann unterschiedlich stark ausgelebt werden. Für uns Menschen kann das alles extrem wild und gefährlich aussehen... Vorsicht - falsches Mitleid kann hier böse Enden! Lassen Sie den Kaninchen unbedingt die Zeit, ihre neue Rangordnung zu klären!

In der Regel flüchtet das unterlegen Kaninchen und unterwirft sich, indem es den Kopf auf den Boden drückt. In ganz ganz seltenen Fällen, wehrt sich das zweite Tier und es kann zu einer blutigen Rauferei kommen. Dann müssen Sie einschreiten!

Ob das Jagen und Grunzen 5 Minuten oder 5 Stunden dauert, hängt ganz von den Tieren ab. Bis auf wenige Ausnahmen haben meine Wackelnasen schon nach wenigen Minuten das andere Kaninchen einfach erstmal ignoriert bzw. als "einfach da" hingenommen. Indem Sie ein paar Leckerbissen verteilen, können Sie die Häschen ablenken. Zudem habe ich es oft beobachtet, dass am Futternapf über einem Stück leckerem Fenchel ganz besonders schnell Freundschaft geschlossen wurde... ;)

Lassen Sie die Kaninchen auf jeden Fall so lange im Freilauf, bis sie sich beruhigt haben. Trennen Sie die Tiere auf keinen Fall wieder! Es wird oft geschrieben, dass man die Kaninchen in zwei Käfigen nebeneinander stellen oder immer wieder kurz zusammen setzen soll. So können die Tiere jedoch keine Rangordnung untereinander klären und bekommen ggf. 1 Woche lang 3x täglich einen Eindringling vor die Nase gesetzt, den es zu bekämpfen gilt. Das ist Stress pur für beide Tiere und kann dazu führen, dass sie sich niemals gegenseitig akzeptieren.

Wenn sich nun beide Häschen ruhig und entspannt über eine längere Zeit im Freilauf bewegen, können Sie in den Käfig gesetzt werden.

Wichtig ist, dass der Käfig vorher extrem gründlich gereinigt wurde! Schruben Sie Brücken, Unterstände, Näpfe etc. ordentlich ab. Nutzen sie ggf. Essigreiniger. Es darf nichts mehr nach "altem" Bewohner riechen! Am besten ist auch eine kleine Umgestaltung. So kommen beide Kaninchen in einen "fremden" Stall und können sich gemeinsam eingewöhnen...

Es kann im Stall durchaus noch einmal zu einer kurzen Jagd oder einem Grunzen kommen, das sind jetzt aber in der Regel nur noch Sekundensachen... Nicht alle Tiere kuscheln auch gleich zusammen und putzen sich gegenseitig. Manchmal sitzen beide Tiere noch ein paar Tage in unterschiedlichen Ecken oder eines guckt schüchtern unterm Unterstand hervor. Geben Sie den Tieren Zeit, sich an Ihren neuen Partner zu gewöhnen... ;o)

 

Zur Information: Das "aufreiten" hat nicht immer einen sexuellen Hintergrund. Mit dieser Geste wird auch Dominanz gezeigt. Sowohl Häsinnen als auch Kastraten und potente Böckchen besteigen andere Tiere, wenn sie diesen demonstrieren wollen, wer der "Herr im Stall ist".

(Häsinnen unterschiedlichen Alters in einer Gruppe; 2 Häsinnen nach Aufzucht ihrer Würfe neu vergesellschaftet)

(Rangordnungskämpfe während einer Vergesellschaftung - es sieht viiiiel schlimmer aus, als es ist ;o))

Kastration von Kaninchen...

Wird ein Rammler nicht zur Zucht eingesetzt, so muss er unbedingt kastriert werden. Nur so kann er dauerhaft mit einem Partner zusammen leben. Außerdem entfällt nach der Kastration das vor allem in der Wohnung sehr unangenehme "markieren" und der Bub lebt wesentlich ruhiger und entspannter. Zudem werden besonders jung kastrierte Rammler sehr zutraulich und anhänglich! :o)

Frühkastration

Wird ein Rammler bereits mit ca. 8 Wochen kastriert, spricht man von einer Frühkastration. Nur wenige Tierärzte führen diese recht aufwendige und teure OP durch, da die Hoden noch nicht ertastbar sind und ein relativ großer Schnitt am Bauch notwendig ist. Der Rammler kann wenige Stunden nach der OP zurück zur Gruppe.

Es ist aber auch kein Problem, einen Rammler erst mit etwa 3 Monaten kurz vor der Geschlechtsreife zu kastrieren. Sind die Hoden ertastbar, ist nur ein kleiner Schnitt am Hodensack erforderlich. Da ja noch keine Samenzellen produziert wurden, kann der Rammler auch wenige Stunden nach der OP direkt zurück zur Partnerin/Gruppe! Es ist keine Quastrations-Quarantäne erforderlich! Lässt man ihn erst eine Zeit lang separat besteht die Gefahr, dass man die Tiere neu vergesellschaften muss. Außerdem sollte gerade Jungtiere nicht allein gehalten werden!

2 kastrierte Rammler

Zwei Rammler können sehr harmonisch zusammen gehalten werden, wenn beide (am besten gleichzeitige) ganz jung und vor dem Einsetzen der Geschlechtsreife kastriert wurden (desto früher, desto besser). Es ist nahezu unmöglich, einen Rammler der nach einsetzten der Geschlechtsreife kastriert wurde, mit einem zweiten Rammler zu vergesellschaften - egal ob inzwischen beide kastriert sind. Es wird immer wieder zu dem vor der Kastration durch die Hormone ausgelösten "Macho-Gehabe" kommen und die Rammler werden sich in der Regel bitter bekämpfen.

kastrierte Häsinnen

Neigt eine Häsin zu permanenter Scheinschwangerschaft oder überhöhter Aggressivität während der Hitze oder ist es aus anderweitigen gesundheitlichen Gründen erforderlich, kann auch eine Häsin kastriert werden. Es sollte keine kastrierte Häsin mit einem unkastrierten Rammler zusammen gehalten werden! Der Rammler wird die Häsin dauerhaft umwerben, bedrängen und besteigen. Die Häsin wird massiv gestresst. Auch der Rammler leidet unter der Situation, da er nicht zum Zuge kommt. Unzumutbar für beide Tiere!

Kastrations-Quarantäne

Ein älterer, bereits geschlechtsreifer Rammler produziert regelmäßig Samenzellen. Mit der Kastration wird die Neubildung von Samenzellen verhindert. Bereits produzierte Spermien verbleiben theoretisch im Körper des Kaninchens. Somit könnte er eine gewisse Zeit lang durchaus auch nach der OP noch Nachwuchs zeugen. Man spricht von einer Kastrations-Quarantäne von bis zu 6 Wochen, in der der frisch kastrierte Rammler noch nicht zu einer Häsin darf.

Ich habe schon mehrfach ganz gezielt frisch kastrierte (Zucht)Rammler wenige Stunden nach der OP wieder zu einer Häsin gesetzt. Aufreiten werden die Rammler selbstverständlich noch eine zeitlang - das steckt in einem potenten Bub nun mal drin... ;o) Jedoch hat in den ganzen Jahren nur ein einziger meiner Jungs am Tag nach der OP noch erfolgreich Nachwuchs gezeugt...

(noch unkastrierte Rammler in der Jungtiergruppe; Kastrat und Häsin; frisch kastrierter Rammler lernt Häsin kennen)

 

 

 

Die Hitze bei Häsinnen...

Kaninchen haben keinen festen Zyklus wie Menschen. Sie sind das ganze Jahr über empfängnisbereit. Jedoch ist eine Häsin erst während der Hitze paarungsbereitJetzt wird sie einen Rammler freudig empfangen, legt sich lang auf den Bauch, hebt die Blume und wird ihn sofort "zum Zuge kommen lassen".

Eine Häsin, die nicht heiß ist (oder bereits belegt ist), beißt einen aufdringlichen Rammler weg, grunzt ihn an und versucht Reißaus zu nehmen. Schafft es der Rammler halbwegs aufzureiten und einen Nackenbiss zu machen, so löst das die Hitze aus. Knapp 7 Tage später ist die Häsin dann paarungsbereit.

Ihre erste Hitze hat eine Häsin mit dem Höhepunkt der Pubertät zwischen 6 und 9 Monaten. Diese fällt oft besonders "schwer" aus, da sich alle Beteiligten erst einmal daran gewöhnen müssen. Faktoren wie die Jahreszeiten und Temperaturschwankungen beeinflussen, wann oder wie oft eine Häsin heiß ist. Bei manchen Damen merkt man von der Hitze gar nichts. Viele Häsinnen neigen in dieser Zeit jedoch zu Aggressionen, starker Unruhe, markieren ihr Revier, rupfen ordentlich Fell und attackieren ihre Gefährten. Eine harmonische Gruppe kann durch eine heiße Häsin völlig aus dem Gleichgewicht gebracht werden. 

Es ist deutlich zu erkennen, ob eine Häsin heiß ist. Die Vulva ist geschwollen, tiefrot bis lila. Streichelt man die Häsin am unteren Rücken, so legt sie sich lang ausgestreckt hin und stellt die Blume auf. Sie hoppelt mit aufgestellter Blume aufgeregt hin und her und markiert ggf. ihr Revier mit Urin oder in dem sie mit der Duftdrüsse am Kinn alles "abreibt". Oft reiten heiße Häsinnen bei ihren Gefährten auf, jagen und beißen sie und klopfen mit den Hinterläufen. Buddeln, scharren und Zeug durch die Gegend tragen sind die Lieblingsbeschäftigungen von heißen Häsinnen... ;o)

Ist eine Häsin länger als zwei Wochen heiß, so muss ein Tierarzt konsultiert werden. Die verstärkte Hormonbelastung kann auf Dauer zu ernsten gesundheitlichen Problemen führen!

Zitronen-Melisse, Hopfen, Salbei und Frauenmantel haben eine beruhigende Wirkung auf die Damen... ;o)

 

 

Scheinschwangerschaft...

Ab und kann kann es vor kommen, dass eine Häsin scheinschwanger ist. Bis zu 5 mal im Jahr ist das nicht weiter problematisch. Sollte es häufiger vor kommen bzw. leidet die Häsin massiv unter der Scheinschwangerschaft, ist ggf. eine Kastration der Häsin zu überdenken.

Ist eine Häsin scheinschwanger, zeigt sie in der Regel alle typischen Zeichen einer Belegung (verändertes Fressverhalten, veränderter Charakter, große Unruhe, Aggression usw.) und baut sogar ein Nest. Innerhalb weniger Tage ist der Spuk wieder vorbei und das Nest wird selbst wieder verbuddelt. Dauert es länger als 2 Wochen, muss ein Tierarzt konsultiert werden!

Eine Scheinschwangerschaft kann durch andere Tiere ausgelöst werden (Aufreiten, Nackenbiss, anwesender Rammler nach der Hitze, erfolgloser Deckakt) oder durch äußere Faktoren (Temperaturschwankungen, Jahreszeiten, Futterumstellung) beeinflusst werden.